WM 2026 · Gruppe F · 1. Spieltag
Zweimal in Rückstand, doch die Blauen Samurai erkämpfen das Remis gegen die Niederlande
Ein verrücktes Spiel voller Wendungen: Jedes Mal, wenn die Niederlande in Führung gingen, antwortete Japan, das letzte Mal in der 89. Minute durch Daichi Kamada. 2:2, und ein Punkt für jede Mannschaft.
Die Niederlande hatten bei einer WM noch nie auch nur einen Punkt liegen lassen, nachdem sie in einem Spiel zweimal geführt hatten. Das ist nun Geschichte. In Arlington, unter dem geschlossenen Dach des Dallas Stadium und bei drückender Hitze, weigerte sich Japan aufzugeben: zweimal in Rückstand, antwortete es zweimal, bis zum Ausgleich von Daichi Kamada in der 89. Minute zu einem ebenso verrückten wie verdienten 2:2.
Vier Tore, zwei Comebacks, ein Drama in der 89. Minute
Nach einer zerfahrenen und chancenarmen ersten Halbzeit hatten sich nur Donyell Malen, schon in der 3. Minute von Zion Suzuki gestoppt, und Keito Nakamura, der in der 43. Minute knapp vorbeizielte, in Szene gesetzt. Mit der Pause kippte das Spiel ins Verrückte. In der 51. Minute Virgil van Dijk köpfte eine Flanke von Ryan Gravenberch aus spitzem Winkel genau in den Winkel: 0:1. Doch sechs Minuten später Keito Nakamura antwortete mit einem Schuss aus zwanzig Metern, der von Jan Paul van Hecke abgefälscht wurde und Bart Verbruggen überwand. 1:1.
Die Niederlande glaubten in der 64. Minute das Schwerste geschafft zu haben, als Crysencio Summervillesich bei seinem ersten Länderspieltor in eine Lücke warf und einen herrlichen Schuss mit links ins lange untere Eck zirkelte: 1:2. Doch Japan hörte nie auf, daran zu glauben. Mit Dauerdruck drängte es die Oranje in der Schlussphase in die Defensive und glich in der 89. Minute aus: Nach einer Ecke von Junya Ito legte der eingewechselte Koki Ogawa per Kopf an den Elfmeterpunkt zurück, wo Daichi Kamada einen abgefälschten Kopfball platzierte, den Verbruggen nicht mehr abwehren konnte. 2:2.
89. Minute, Ecke von Junya Ito. Der eingewechselte Koki Ogawa steigt am ersten Pfosten hoch und legt den Ball ins Zentrum des Strafraums zurück; Daichi Kamada bringt einen abgefälschten Kopfball an, der Bart Verbruggen entwischt, der ihn zwar noch berührt, aber den Einschlag im Netz nicht verhindern kann. Die gesamte japanische Bank stürmt auf den Rasen: Es ist das späteste Tor, das Japan je bei einer Weltmeisterschaft erzielt hat.
Der niederländische Favorit gegen die Riesentöter
Auf dem Papier wirkte das Duell unausgeglichen. Die Niederlande, dreimaliger WM-Finalist und Siebter der FIFA-Weltrangliste, gingen klar als Favorit gegen ein 18. platziertes Japan ins Spiel. Doch den Blauen Samurai eilt ein hartnäckiger Ruf als Riesentöter voraus: Bei Katar 2022 hatten sie Deutschland und dann Spanien geschlagen, jeweils nachdem sie das erste Gegentor kassiert hatten.
Ein Präzedenzfall, der Ronald Koeman zur Vorsicht mahnte. Der niederländische Trainer schickte zudem erstmals in einem WM-Spiel eine Startelf ohne einen einzigen in den Niederlanden spielenden Akteur aufs Feld.
Das Bedauern der Oranje, die belohnte Hartnäckigkeit Japans
Das gefürchtete Szenario wiederholte sich. In der Ballbesitzstatistik dominant, phasenweise aber harmlos, sahen die Niederländer, wie Japan auf jeden ihrer Vorstöße antwortete, seinem Plan treu: kompakte Abwehr, dann Konter und Flanken, um den Gegner zu zermürben. Erstmals in ihrer WM-Geschichte führten die Niederlande zweimal, ohne zu gewinnen; sie verlängern zwar eine Rekordserie von 17 Gruppenspielen ohne Niederlage, lassen aber zwei wertvolle Punkte liegen.
Koeman wird zudem den Fall von Memphis Depayverwalten müssen, der trotz angekündigter Stammplatz-Rolle auf die letzten zwanzig Minuten beschränkt blieb, während Japan Takefusa Kubo verletzt verlor. In der texanischen Schwüle boten beide Mannschaften einen spektakulären zweiten Akt: vier Tore, allesamt nach der Pause erzielt.
Schweden profitiert, Gruppe F wieder offen
Diese Punkteteilung kommt vor allem Schwedenzugute, das mit einem 5:1-Sieg gegen Tunesien später am Tag allein an die Spitze der Gruppe F sprang. Die Niederlande und Japan teilen sich mit je einem Punkt den zweiten Platz, vor einem noch punktlosen Tunesien. In einer derart starken Gruppe macht dieser verlorene Punkt das Rennen um die Spitze für die Oranje deutlich ungewisser.
Die Niederlande reisen mit einem Punkt und Bedauern ab; Japan mit einem Punkt und einem erneuten Beweis seiner Kämpfer-DNA. Bei dieser WM reicht eine Führung nie ganz aus, das haben die Blauen Samurai den Oranje gerade in Erinnerung gerufen.


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